Pulvermühle Elisenthal bei Windeck/Dattenfeld

Alterseignung:

0-3 Jahre
4-8 Jahre
9-13 Jahre
14+ Jahre
Wettereignung:

auch bei Regen
auch bei Kälte
Zeitbedarf:
Wenige Stunden
Artikel aus den Kölner Stadtanzeiger (19.10.2010):

"Auf dem Weg zum Geheimtip:

Windeck. Mitten im Wald meterdicke Betonmauern, überwachsene Durchgänge und hohe Wälle. Wanderer, die dem engen „Elisenthal“ von Dattenfeld nach Norden in die Nutscheid folgen, treffen dort auf Zeugen einer längst vergangenen Zeit: Auf mehr als einem Kilometer Länge erinnern die Reste massiver Bauwerke an ein Stück Industriegeschichte. Noch vor 100 Jahren wurde im „Elisenthal“ Schwarzpulver hergestellt. Im Rahmen der Regionale 2010 sollen Besucher an die Zeugen der Vergangenheit herangeführt werden, die mittlerweile fast gänzlich von Natur zurückerobert wurden.

Begonnen hat die Geschichte der Pulvermühle im „Elisenthal“ 1871. Damals gründete der Kölner Fabrikant Everhard Schülgen die Niederlassung weit weg von bewohnten Dörfern und wohl bewusst nicht an einem der wichtigen Verkehrswege. Zu groß war offenbar der Respekt vor dem explosiven Gemisch aus Holzkohle, Schwefel und Salpeter.

Die Zutaten wurden in so genannten Läuferwerken gemahlen oder zerkleinert und nach Rezept zusammengeführt.

Das so entstandene Schwarzpulver wurde vor allem in Bergwerken und Steinbrüchen für Sprengungen gebraucht. Benannt war es nach dem Mönch Berthold Schwarz, der es erfunden haben soll. Nur kurze Zeit, so wird berichtet, sei im „Elisenthal“ auch Sprengstoff für militärische Zwecke hergestellt worden. Die Windecker Pulvermühle reichte vom Anfang des Tals, wo noch heute das Verwaltungsgebäude bewohnt ist, etwa 1,2 Kilometer in die Nutscheid herein.

Lebensgefährliche Jobs

Hohe Erdwälle wurden damals angelegt, um die einzelnen Abteilungen der Fabrikation voneinander zu trennen. Läufer- und Zerkleinerungswerke, Kesselhaus und Polierwerk lagen weit auseinander. Verbunden waren die Segmente mittels einer Pferdebahn, deren Trasse noch zu erkennen ist.

Vom hohen Zaun ist nichts übrig geblieben. Die Windecker Pulvermühle gilt als größte ihrer Art im Rheinland. Etwa 30 Mitarbeiter arbeiteten dort. Mehrmals gab es Explosions-Unglücke: 1913 (zwei tote Arbeiter) und zweimal 1915, einmal mit sechs und einmal mit zwei Toten. Aufgegeben wurde der Betrieb schon nach dem ersten Weltkrieg.

„Wir treffen hier genau das Regionale-Thema »Natur und Kultur quer zur Sieg«“, erläutert die Windecker Beigeordnete Andrea Thiel. Schon jetzt würden immer wieder interessierte Wanderer auf eigene Faust das Gelände erkunden. Weil sich dort aber in fast 100 Jahren wertvolle Feuchtgebiete gebildet und zum Teil seltene Pflanzen angesiedelt haben, sollen die Neugierigen in Zukunft gezielt durch das Areal geführt werden. Trotzdem sei keine Touristenattraktion geplant, sondern eher ein Geheimtipp für besonders Interessierte.

Als solcher wird die Pulvermühle im Übrigen schon heute in der Internetszene gehandelt. „Geocoacher“ beziehen das geheimnisvolle Gelände mit seinen Ruinen längst in ihre elektronisch unterstützten Schnitzeljagden ein und empfehlen es offen auf ihren Internetseiten.

Im Rahmen des Regionale-Projektes sind jetzt eine Treppe hinab in die Talsohle, zwei Stege über Feuchtgebiete und schließlich ein Pfad über die Trasse der ehemaligen Pferdebahn geplant. So sollen unter anderem wertvolle Farnarten gezielt geschützt werden. Darüber hinaus werde es Bereiche geben, die nicht betreten werden dürften, versichert Thiel. Um den Lebensraum des Kamm-Molches zu erhalten, will die Gemeinde mit Landesmitteln den noch letzten verbliebenen von ehemals drei Firmenteichen wiederbeleben.

So zerfallen wie sie sind, so sollen die alten Gemäuer erhalten bleiben. „Der gegenwärtige Zustand soll konserviert werden“, erklärt Thiel. Vorgesehen seien Abdeckungen, um den weiteren Verfall aufzuhalten, und Sicherungsmaßnahmen, um Gefahren für Besucher abzuwenden. Die Gebäudereste sollen Ziffern erhalten, zu denen es Erklärungen gibt. Noch in diesem Jahr könnten 130.000 Euro in das Projekt fließen, ein Zehntel davon zahlt die Gemeinde. Bis zum Herbst 2011 könnte alles fertig sein."

1 Bewertung

  1. Schöner und interessanter Spaziergang

    Wir waren im März 2012 hier und begeistert. Im Rahmen einer kleinen Geocache-Tour wollten wir die Ruinen der alten Pulvermühle genauer unter die Lupe nehmen. Da wir aber noch mit Kinderwagen unterwegs und die Brücken noch nicht errichtet waren, konnten wir uns nicht alle Gebäude ansehen. Nun, mit Rückentrage und den hoffentlich schon fertiggestellten Brücken und Stegen dürfte das kein Problem für uns sein. Wir freuen uns schon auf den nächsten Besuch…

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Zur Pulvermühle

51570 Windeck, DE
Anfahrt per Google Maps

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